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14. Okt 23 I Gebet für den Frieden


Holger Kamlah und Johannes zu Eltz beten gemeinsam für den Frieden. Foto: Anne Zegelman

Der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz und der evangelische Stadtdekan Holger Kamlah haben zu einem ökumenischen Friedensgebet in den Bartholomäusdom eingeladen. Zahlreiche Menschen beteten gemeinsam – und auf ihre Weise – um Frieden im Nahen Osten und um Licht in Herzen, Augen und Ohren.


„Du Hirte Israels, höre, der du Josef weidest wie eine Herde! Der du auf den Kerubim thronst, erscheine vor Efraim, Benjamin und Manasse! Biete deine gewaltige Macht auf und komm uns zu Hilfe!“ Mit dem gemeinsamen Beten dieses Psalms (Psalm 80: Bitte für Israel, den Weinstock Gottes) haben der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz, der evangelische Stadtdekan Holger Kamlah sowie Besucherinnen und Besucher am Samstagvormittag im Bartholomäusdom für ein Ende der Gewalt in Israel gebetet. Auch Vertreterinnen und Vertreter anderer Religionsgemeinschaften beteiligten sich an dem ökumenischen Friedensgebet, das ausdrücklich interreligiös geöffnet war.


„Mögen die leiderfüllten Wesen in allen Seinsbereichen unverzüglich von ihren Schmerzen befreit werden“, betete Buddhist Hans Erich Frey, der auch Vorstandsmitglied im Rat der Religionen ist. „Mögen die Furchtsamen von Angst erlöst und die Verfangenen von ihren Verstrickungen befreit werden. Mögen die Entmachteten Kraft finden und alle Wesen einander wohlgesonnen sein.“ Anjali George, Ratsmitglied und Vertreterin der Vishwa Hindu Parishad im Rat, betete das Hinduistische Friedensmantra „Om Shanti“: „Möge Frieden in mir sein. Möge Frieden um mich sein. Friede sei in den Kräften, die auf mich einwirken. Om, Frieden, Frieden, Frieden.“ Zwischen den Gebeten spielte Dommusikdirektor Andreas Boltz unter anderem zwei Stücke mit jüdischem Bezug: „Prelude for Rosh Hashanah“ von Herman Berlinski und „Chant de paix“ von Jean Langlais. Besucherinnen und Besucher des Friedensgebets zeigten sich bewegt und dankten den Stadtdekanen und Beteiligten für ihre Initiative.


Leid auf allen Seiten


Joachim Valentin, langjähriger Vorsitzender des Rates der Religionen und jetzt Stellvertreter, begrüßte die zahlreichen Menschen, die zum interreligiös geöffneten Friedensgebet in den Dom gekommen waren. „Es geht für uns als Glaubende, als religiöse Menschen, nicht primär um Politik. Es geht um Solidarität mit anderen, die glauben, es geht um Entsetzen über Untaten, die im Namen der Religion begangen werden“, sagte Valentin. „Es geht um Solidarität – und es geht um die in dieser Situation fast nur von Gott oder einer anderen höheren Macht zu erhoffende Perspektive auf Frieden, Gerechtigkeit und eine lebenswerte Zukunft überall auf der Erde und speziell im Nahen Osten.“ In der momentanen Situation sei es schwierig und werde in den nächsten Tagen noch schwieriger, sich politisch zu positionieren, weil es Leid auf allen Seiten gibt, betonte er: „Wenn einmal die schreckliche Saat der Gewalt in dieser beispiellosen Form gesät ist, kann man nicht sagen, wo und in welcher Form sie an anderer Stelle aufgeht.“


Solidarität zeigen


Wie der stellvertretende Vorsitzende berichtete, hatte der Frankfurter Rat der Religionen am Montagabend in seiner Mitgliederversammlung angesichts des schrecklichen Leids in Israel, in der Frankfurter jüdischen Gemeinde und bei den Angehörigen der nicht-jüdischen Opfer an der Grenze des Gaza-Streifens und im Landesinneren über eine Positionierung dazu beraten. Der Rat formulierte daraufhin eine Erklärung, in der die Mitglieder ihrer Fassungslosigkeit über den menschenverachtenden Terror Ausdruck verliehen. Außerdem besuchten Verteter:innen des Rates solidarisch die jüdische Gemeinde am Mittwochabend in der Synagoge und beteten gemeinsam mit einer großen Zahl jüdischer Gemeindemitglieder um Kraft für alle Menschen jüdischen Glaubens und die Bevölkerung von Israel. Auch kündigte Valentin ein, an der für Samstagnachmittag, 15 Uhr, geplanten Kundgebung am Paulsplatz teilzunehmen, und lud die Besucherinnen und Besucher des Friedensgebets im Dom dazu ein.


Vertreter der jüdischen Gemeinde konnten am Samstagvormittag nicht persönlich im Dom anwesend sein, weil zeitgleich wie jeden Samstag das Schabbat-Gebet stattfand. Auf einem Gebetsblatt waren Friedensgebete verschiedener Religionen abgedruckt. Im jüdischen Friedensgebet heißt es: „Möge kein Volk gegen ein anderes das Schwert erheben, noch Krieg weiterhin lernen“ (Jeschaja 2,4). In einem muslimischen Friedensgebet, das ebenfalls auf dem Gebetsblatt zu finden war, ist zu lesen: „Friedensstiftender Gott, Du bist der Friede. Von dir kommt der Friede. Hilf uns in Frieden zu leben.“ Und weiter unten: „O Allah, gib uns Licht in unsere Herzen, Licht in unsere Augen, Licht in unsere Ohren.“

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