26. Sep 22 | Stadtsynodalrat empfiehlt, Kirchen nicht zu heizen


Schal, Mütze, Handschuhe: In diesem Winter sind kuschelige Helfer auch in der Kirche praktisch. Foto: Kelly Sikkema

Der Stadtsynodalrat, das synodale Dialoggremium auf Stadtebene, hat die katholischen Pfarreien in Frankfurt um einen kraftvollen Beitrag zum Energiesparen in der kommenden Heiz-Saison gebeten. Bei der jüngsten Sitzung des Stadtsynodalrats am 22. September wurde ein Beschluss gefasst, in dem die Pfarreien gebeten werden, ihre Kirchengebäude nicht zu heizen und die Raumtemperaturen in Gemeindehäusern und in Kirchenräumen, die zugleich als Gemeindehaus genutzt werden, zu senken. Zugleich bittet der Stadtsynodalrat darum, aus Solidarität heraus ausgewählte warme Räume vorzuhalten für Gruppen mit Babys und Kleinkindern, Seniorengruppen und Personen, die sich zu Hause keine Heizung leisten können und Orte zum Aufwärmen benötigen. Die Bitte des Stadtsynodalrats ist für die acht katholischen Pfarreien neuen Typs und den Pastoralen Raum Nied-Griesheim-Gallus nicht bindend; allerdings beraten diese natürlich längst selbst darüber, wie sie sich angesichts von massiv gestiegenen Heizkosten in diesem Herbst und Winter verhalten sollen. Denn allein damit, die Heizung auszulassen, ist es nicht getan. Zum Beispiel muss die Luftfeuchtigkeit dennoch reguliert werden, um Schäden an Orgeln zu vermeiden. Bei Fragen wie diesen tauscht man sich nicht nur untereinander, sondern auch mit den evangelischen Geschwistern aus: Die Evangelische Stadtsynode und Regionalversammlung von Frankfurt und Offenbach hatte bereits Mitte September entschieden, dass Kirchenräume über den Winter bis zum 30. April 2023 nicht beheizt werden.

„Wir sind bereit, auch hier zu verzichten“

Ein Grund für die nun ausgesprochene Bitte des Stadtsynodalrats seien natürlich die stark gestiegenen Energiekosten, sagt Marianne Brandt, die als Vorsitzende der Stadtversammlung der Frankfurter Katholik:innen auch stellvertretende Vorsitzende des Stadtsynodalrats ist. „Außerdem geht es uns darum, solidarisch zu sein – zum einen mit den Menschen in Deutschland, die alle auf einen Energietopf zugreifen und die sparen müssen, und vor allem mit den Ukrainerinnen und Ukrainern. Damit zeigen wir: Wir vergessen Euch nicht und sind bereit, auch hier zu verzichten.“ Zugleich wird ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Marianne Brandt betont: „Man kann auch in kalten Kirchen einen Gottesdienst feiern, der sehr schön ist!“ Außerdem, fährt sie optimistisch fort, biete dies die Chance, einmal mehr kreativ zu werden und Wege zu finden, „wie wir es uns trotzdem angenehm machen können.“ Monika Humpert, Vorstandsmitglied im Stadtsynodalrat, verweist darauf, dass für Christinnen und Christen Verzicht auch den Zugang zu spirituellen Quellen öffne: "Selig sind die, die verzichten, damit Notleidende genug haben, denn ihrer ist das Himmelreich", zitiert sie. Ideen, wie die Situation erträglich gemacht werden können, reichen schon jetzt von Decken über den Ausschank von warmen Getränken oder mehr Bewegung im Gottesdienst. Menschen, die die Kirchen besuchen, sollten daran denken, sich dicker anzuziehen. Gottesdienste und Zusammenkünfte weiter möglich machen Stadtdekan Johannes zu Eltz, den Frankfurter Pfarrern und kirchlichen Mitarbeiter:innen ist es ein besonderes Anliegen, die Kirchen trotzdem offen zu halten und Gottesdienste sowie soziale Zusammenkünfte weiter möglich zu machen, wenn auch bei niedrigerer Raumtemperatur. „In der Pandemie-Zeit haben wir gemerkt, wie sehr uns das gefehlt hat und wie wertvoll es ist“, unterstreicht der Stadtdekan. „Anders als andere, die sich aufgrund der um ein Vielfaches gestiegenen Energiepreise kein Heizen mehr leisten können, dürfen wir diese Entscheidung selbst treffen – und möchten uns damit solidarisch zeigen.“ Marianne Brandt fasst zusammen: „Es ist wichtig, jetzt nicht die Steine zu heizen, sondern für die da zu sein, die mit weniger Geld auskommen müssen.“ Das Geld der Kirche sei statt ins Heizen großer Kirchengebäude besser investiert, gezielt ausgewiesene warme Räume für jene zu schaffen, die es sich nicht leisten können, daheim zu heizen.