7. Jul 22 | Frauentreff der Dompfarrei startet


Ingrid Noll vor dem neuen Frauen-Treffpunkt. Foto: Anne Zegelman

Ingrid Noll sitzt am Tisch im neuen Begegnungsraum des Frauentreffs und tüftelt am Drei-Monatsplan. Auf die Rückseite eines Kalenderblatts hat sie Daten und daneben Themen notiert, mit unterschiedlich-farbigen Filzstiften. „Gedächtnistraining“ steht da zum Beispiel, ein paar Zeilen darunter wird der Bericht einer blinden Frau angekündigt. Auch Veranstaltungen zum guten Hören und zum nachhaltigen Leben sind für Juli geplant. „Wir wollen versuchen, für alle etwas anzubieten“, sagt Ingrid Noll.

Junge Frauen, ältere Frauen, katholische Frauen und jene mit einer anderen oder keiner Religion – an sie alle richtet sich der neue Frauentreff F132, der nach seiner Adresse in der Friedberger Landstraße 132 im Nordend benannt ist. Künftig sollen hier zunächst jeden Mittwochvormittag von 9.30 bis 12 Uhr Frauen eine Anlaufstelle zum Austausch finden, später sind weitere Öffnungsslots geplant. Sie können bei einer Tasse Kaffee ungezwungen ins Gespräch kommen, Nachbarinnen treffen oder einfach nur ein Buch lesen können. Später könnte es auch feste Gruppen geben, zum Beispiel für Kinder und Seniorinnen.

Das Vortrags- und Kulturprogramm läuft unabhängig von der Mittwochs-Öffnungszeit, es ist zunächst für drei Monate geschrieben und wird in den Fenstern des Ladens ausgehängt. Bald soll es auch eine Internetseite geben; derweil kann man sich per Mail an team-f132@gmx.net wenden, wenn man Infos zum Programm haben möchte.


Netzwerk hilft bei praktischen Fragen


Der Frauentreff 132 ist ein Projekt der Dompfarrei St. Bartholomäus und wird komplett ehrenamtlich gestemmt. Initiatorin Ingrid Noll kennt sich in der Frauenarbeit aus; sie leitet seit 25 Jahren ehrenamtlich den Frauentreff in Liebfrauen und hat in dieser Zeit unzählbar viele Kontakte geknüpft. Die kommen ihr jetzt zugute, denn neben ihren Mitstreiterinnen, einer kleinen, engagierten Gruppe, die mit ihr gemeinsam den neuen Treff aufbaut, gibt es auch schon zahlreiche Frauen, die Interesse an dem neuen Angebot bekundet haben. Darunter auch einige, die nach Deutschland flüchteten und sich hier nun einen neuen Freundeskreis aufbauen müssen. Noll kennt sie von einem Frauenkreis für Geflüchtete, der sich regelmäßig im Haus der Volksarbeit trifft, und aus anderen Zusammenhängen.

Zu ihnen gehören Amina aus Syrien und Selam aus Eritrea, die gerade in eine Wohnung über dem neuen Frauentreff gezogen ist. „Ich kenne viele starke Frauen, in Eritrea genauso wie in Deutschland, aber in meinem Heimatland gibt es nicht viele Möglichkeiten für sie, sich auszutauschen“, sagt Selam. Umso glücklicher ist sie, dass Projekte wie der Frauentreff 132 möglich sind. Ingrid Noll würde sich freuen, wenn auch Frauen aus der Ukraine das neue Angebot annehmen würden; vor allem, weil eine gute Vernetzung auch dazu beitragen kann, bei praktischen Fragen wie Kinderbetreuung und Wohnungssuche zu helfen.

Und auch, dass das Programm der ersten drei Monate sich fast wie von selbst geschrieben hat, ist Nolls großem Netzwerk zu verdanken. Hier ein Vortrag, da eine Lesung, oder mal ein Kurs? „Ich habe einfach ein bisschen rumtelefoniert – und viele, die ich angesprochen habe, hatten Lust, etwas anzubieten“, freut sie sich.


Laden mit langer Geschichte


Das gelb gestrichene Gebäude, in dem sich das Ladenlokal mit holzgefassten, bodentiefen Fenstern im Erdgeschoss befindet, ist eine Liegenschaft der Dompfarrei. Dazu gehört auch ein idyllischer Garten hinterm Haus, der in der warmen Jahreszeit ebenfalls von der Frauengruppe genutzt werden kann. Noll, die gelernte Bankkauffrau ist und praktischerweise schon sehr lange als Liegenschaftsbeauftragte der Pfarrei mit deren Immobilien zu tun hat, kennt die Räumlichkeiten schon seit Anfang der 70er Jahre, als sie St. Bernhard vererbt wurden.

Zuletzt hatte eine Schneiderin den gut 70 Quadratmeter großen Laden angemietet, davor gab es dort einen französischen Buchhandel und noch früher ein Farbengeschäft. Die Idee, einen Ort für Frauen, ihren Austausch und ihre Interessen zu schaffen, hatte Noll schon lange. Als der Laden nun Anfang des Jahres frei wurde, schrieb sie eine Mail an Stadtdekan Johannes zu Eltz, Pfarrer der Dompfarrei, und Verwaltungsleiterin Burgunda Laumen-Brunner und schlug vor, es zu probieren. Sie „pitchte“ ihre Idee beim Liegenschaftsausschuss, dem Verwaltungsrat und Pfarrgemeinderat – und stieß auf einige Widerstände. „Es gab doch viele Bedenken“, erinnert sie sich. „Doch dann auch den Wunsch, es einfach mal zu probieren.“ Noll bekam das Go für zwei Jahre, danach soll evaluiert werden, ob sich der Einsatz lohnt.

Apropos Einsatz: Finanziell unterstützt wird das Projekt natürlich von der Dompfarrei, die in den zwei Jahren auf etwa 30.000 Euro Mietausfall verzichtet, außerdem von der Kirchenentwicklung des Bistums und dem Gesamtverband. Die Tische und Stühle aus hellem Holz, die dem Treff eine freundliche Atmosphäre geben, stammen aus Beständen des Bischöflichen Ordinariats, so dass hierfür kein Geld ausgegeben werden musste. „Das ist finanziell gut, aber auch im Sinne der Nachhaltigkeit“, sagt Andrea Tichy, die sich ebenfalls ehrenamtlich für das neue Projekt engagiert.


Informationen zum Frauentreff der Dompfarrei: www.frauentreff-f132.de