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29. Jun 23 | Antisemitischer Vorfall in Frankfurt // Kein Gott der Gewalt!


Die EZB in Frankfurt. Foto: Markus Spiske

Am Donnerstag, 29. Juni 2023, sollen Jugendliche vor der Erinnerungsstätte an der Europäischen Zentralbank (EZB) eine jüdische Besuchergruppe beschimpft und mit einer Flasche beworfen haben. Die katholische Stadtkirche nimmt den antisemitischen Vorfall an der EZB mit Abscheu zur Kenntnis. Dies teilen Pia Arnold Rammé und Stadtdekan Johannes zu Eltz, beide vorläufige Regionenvertretung der Region Frankfurt im Bistum Limburg, sowie Marianne Brandt, Vorsitzende der Stadtversammlung der Frankfurter Katholik:innen, mit. Mit Respekt und Zustimmung hätten sie wahrgenommen, dass die jüdische Gemeinde das Gespräch mit den Delinquenten suche. Arnold-Rammé, zu Eltz und Brandt betonen: „Allahu akbar – Gott ist groß. Aber im Erbarmen und Verschonen. Ein Gott, den man für Gewalt gegen unschuldige Menschen in Anspruch nehmen kann, ist kein Gott.“ Dem schließt sich auch Joachim Valentin, Bischöflicher Beauftragter für den Dialog mit dem Judentum und stellvertretender Vorsitzender des Rates der Religionen, an. „Der Rat der Religionen möchte allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Besuchsprogramms für Nachfahren ehemaliger jüdischer Frankfurter seine Solidarität und Anteilnahme zu dem gestern ereigneten antisemitischen Vorfall an der EZB aussprechen“, heißt es in der Pressemitteilung des Rates der Religionen. „Antisemitische Übergriffe, egal aus welcher Ecke sie kommen, sind durch nichts zu rechtferigen und mit aller Deutlichkeit zu verutreilen. Wir werden weiterhin und mit vereinten Kräften daran arbeiten, Antisemitismus und jedweden Menschenhass in unserer Stadt zu bekämpfen. Wir hoffen, dass die Besuchergruppe trotz dieses fürchterlichen Ereignisses durch viele Solidaritätsbekundungen, zu denen wir hiermit aufrufen, auch ein anderes, friedliches und tolerantes Bild von Frankfurt mit nach Hause nehmen wird."

„Dies darf nicht das Bild von Frankfurt sein!“

Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Frankfurt teilte am Donnerstagabend schriftlich mit, er sei erschüttert über den Vorfall, der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Besuchsprogramms der Stadt Frankfurt für Nachfahren von ehemaligen jüdischen Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern, getroffen hat. „Die Gruppe, die aus Kindern und Enkelkindern von ehemaligen Frankfurtern besteht, die aufgrund ihres Jüdisch-Seins ihre Heimat vor mehr als 80 Jahren verlassen mussten, wurden heute wieder aufgrund ihres Jüdisch-Seins mitten in Frankfurt angegriffen“, heißt es in der Mitteilung. Glücklicherweise sei die betroffene Teilnehmerin körperlich unversehrt geblieben, aber die emotionalen Wunden, die dieser Vorfall sicherlich bei vielen in der Gruppe verursacht habe, dürften noch lange nachwirken. Weiter schreibt der Vorstand, dass die Jüdische Gemeinde schon lange auf wachsenden Antisemitismus aufmerksam mache. So habe auch der aktuelle Jahresbericht der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus eine Zunahme extremer Gewalt bei antisemitischen Delikten bemerkt und Hessen einen verstärkten israelbezogenen Antisemitismus attestiert. „Gerade in Anbetracht, dass einige der Nachfahren immer noch Bedenken und Hemmungen haben, nach Deutschland zu reisen, schmerzt es uns besonders, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die aus aller Welt auf Einladung der Stadt nach Frankfurt gekommen sind, um die Spuren und Biographien ihrer jüdischen Vorfahren in Frankfurt und Umgebung zu erforschen, auf einen solchen Hass gestoßen sind“, schreibt die Jüdische Gemeinde. „Dies darf nicht das Bild von Frankfurt sein, das die Teilnehmer des Besuchsprogramms mit nach Hause nehmen.“ Die Gemeinde teilte mit, sie sei eng mit der Gruppe im Austausch. Sie wünsche sich ein entschiedenes und starkes Engagement der Stadtpolitik und Stadtgesellschaft gegen Antisemitismus, das zuletzt lautstark bei der Kundgebung „Frankfurt vereint gegen Antisemitismus“ Ende Mai 2023 zugesagt worden sei.

Das ist passiert

Wie die Polizei berichtete, besuchte eine jüdische Besuchergruppe der Stadt Frankfurt, die aus den USA angereist war, am Donnerstag, 29. Juni, das jüdische Denkmal am Philipp-Holzmann-Weg, in unmittelbarer Nähe der EZB. Während sich der Großteil der Gruppe an dem Denkmal befand, hielt sich eine Besucherin etwas abseits auf dem Philipp-Holzmann-Weg auf, als fünf Jugendliche aus Richtung des Mains kommend auf sie zuliefen. Diese traten dabei eine gefüllte Plastikflasche vor sich her, woraufhin die Besucherin fragte, was das solle. Daraufhin nahm einer der Jugendlichen die Flasche auf und warf sie senkrecht nach oben in die Luft. Dabei schrie er die Worte „Allahu akbar“. Die Flasche schlug in unmittelbarer Nähe der Frau auf dem Boden auf, wodurch sich diese bedroht fühlte und laut um Hilfe rief. Der Rest der Besuchergruppe eilte zu ihr und konnte die Gruppe Jugendlicher unweit der Tatörtlichkeit sichten. Wie die Polizei weiter berichtet, suchte ein Mitarbeiter der Stadt, der die Besuchergruppe begleitete, daraufhin das Gespräch mit den Jugendlichen und wies diese zurecht. Der Flaschenwerfer kam sodann zu der Geschädigten und entschuldigte sich für sein Verhalten, anschließend entfernten sich die Jugendlichen. Nach dem Vorfall hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen, Zeugen werden gebeten, sich mit der Frankfurter Kriminalpolizei unter (069) 755-53111 in Verbindung zu setzen.

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