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4. Okt 23 I



Pastoralreferentin Simone Gerlitzki (li.) und Pfarrer Markus Schmidt arbeiten jetzt als Leitungsduo. Foto: Sabine Börchers

Als leitender Priester war Markus Schmidt es gewohnt, Einzelkämpfer zu sein. Doch eine Pfarrei wie St. Josef mit ihren vier Kirchorten in allen Bereichen zu führen, ist für einen alleine keine Kleinigkeit. „Es ist schon sehr viel und manches bleibt dabei auf der Strecke.“ Deshalb entschied er sich, sich zum 1. September die Leitung des Pastoralteams mit der Pastoralreferentin Simone Gerlitzki zu teilen. Sie steht sowohl den weiteren Priestern und dem Kaplan der Gemeinde als auch den vier Pastroralreferentinnen mit vor. St. Josef ist damit die erste Pfarrei in Frankfurt, die mit einem Duo an der Spitze des Pastoralteams arbeitet. Mit der Idee der „geteilten Leitung“ soll ein grundlegender Kulturwandel angestrebt werden. Die Idee wird in Montabaur seit Jahresanfang erprobt und nun auch in Frankfurt.

Pfarrer Schmidt und Simone Gerlitzki haben für ihre künftige Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“, wie sie betonen, einen Vertrag mit dem Bistum geschlossen. „Zu meinen Aufgaben gehört die Leitung der Dienstgespräche, die Sammlung und Priorisierung der Themen genauso wie die Sorge für Vertretungen bei Urlaub oder Ausfällen und die Teilnahme an Mitarbeitergesprächen“, betont Simone Gerlitzki. In Absprache mit dem Pfarrer könne sie auch Aufgaben delegieren. Sie wolle zudem gemeinsam mit ihm das Pastoralteam voranbringen. „Gerade nachdem wir dort viele Wechsel hatten, müssen wir neue Wege gehen“, sagt Markus Schmidt und ist froh, dass er dazu die Entscheidungen nicht mehr alleine treffen muss, sondern ein Gegenüber hat, mit dem er sich austauschen kann. Den Teamgedanken will Simone Gerlitzki auch weitergeben an ihre Kollegen. „Das Pastoralteam muss gemeinsam funktionieren, wir sind als Hauptamtliche ja auch Vorbilder nach außen.“


Kollegen schätzen die neue Struktur


Ein bisschen überlegen musste Simone Gerlitzki allerdings schon, ob sie das Angebot annehmen sollte. Zunächst fragte sie bei den Kollegen in Montabaur nach, wie es läuft. Der Rat von dort: Wenn die Chemie zwischen Pfarrer und ihr nicht stimme, solle sie die Finger davon lassen. „Diese Grundvoraussetzung war gegeben“, sagt Simone Gerlitzki und entschied sich schließlich für die größere Verantwortung. Gespannt war sie allerdings darauf, wie die Priester und Pastoralreferentinnen darauf reagieren würden, dass sie nun plötzlich Leitungsfunktionen für das Team übernimmt. „Bisher waren die Rückmeldungen positiv. Ich glaube, die Kollegen schätzen, dass ich mehr Struktur hineinbringe. Ich bin eine Planerin, ich behalte zum Beispiel schon jetzt die Termine der Pfarrei für das nächste Jahr im Blick, wofür der Pfarrer vorher keine Zeit hatte.“

Auch Pfarrer Schmidt schätzt die Erfahrung, die Simone Gerlitzki aus der Pastoral mitbringt. „Sie weiß, was ansteht. Ich kann sicher sein, dass die Absprachen laufen. Das entlastet dermaßen. In den Mitarbeitergesprächen hören zudem vier Ohren mehr als zwei und vor allem hat sie ein größeres Gespür für ihre Kolleginnen.“ Auf die neue Leiterin kommt damit allerdings reichlich Arbeit zu, denn ihre sonstigen Aufgaben, etwa in der Sozialpastoral und mit den Lektoren, übt sie vorerst auch weiter aus, obwohl sie nur eine 75-Prozent-Stelle besetzt. Das Bistum Limburg begleitet den Prozess aber aktiv. Schon nach einem halben Jahr wird es eine Evaluation geben. „Dabei geht es auch darum, ob das Modell nicht nur für uns gut ist, sondern auch für das Team“, betont Pfarrer Schmidt und wünschte sich, dass es eine Supervision nicht nur für sie beide, sondern für das gesamte Team gäbe.


Ein Signal nach außen


Das neue Tandem aus Mann und Frau sei auch ein Signal nach außen, finden beide. „Da bewegt sich was, und das ist ein guter Wegweiser für die Zukunft“, sagt Pfarrer Schmidt und argumentiert mit der Bibel: „Da heißt es auch, er sandte sie zu zweit aus.“ Klar ist Simone Gerlitzki dabei allerdings, dass das Modell auch Grenzen hat. In der hierarchisch organisierten katholischen Kirche trägt Pfarrer Schmidt am Ende die Verantwortung. Zudem ist er geweiht, sie kann ihm weder Taufen noch Trauungen abnehmen. „Was Predigten angeht, da versuchen wir aber der Zeit angepasst zu denken“, sagt dieser. Und Simone Gerlitzki ergänzt: „Er ist und bleibt mein Dienstvorgesetzter, aber es gibt Möglichkeiten, mitzugestalten, auch wenn ich nicht die Nummer 1 werde.“

Text: Sabine Börchers

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