6. Jun 22 I Eintracht – in christlicher Vielfalt


Kulinark und ein breites Kulturprogramm gab es zum ökumenischen Pfingstfest im Dominikanerkloster. Foto. Rolf Oeser

Pfingsten auf dem Römerberg, gefolgt von einem Internationales Fest im Hof des Dominikanerklosters – eine Tradition, die auch unter der Pandemie gelitten hat – doch in diesem Jahr wiederaufgenommen werden konnte. Mehrere hundert Menschen fanden sich an Pfingstmontag auf dem Römerberg ein, um den Gottesdienst zu verfolgen, aus Frankfurt, Rhein-Main und der Welt kamen sie ins Stadtzentrum.

„Wir müssen uns wieder einander annähern“, sagte der Frankfurter Ökumenepfarrer Michael Mehl bei der Begrüßung im Klosterhof. Manches war eben via Zoom und am Telefon nicht möglich. Obgleich die Tische lockerer platziert, die Zahl der Stände reduziert wurde, war die Stimmung beim Fest fast „wie früher“. Und der Zustrom beachtlich.

Nahe lag es, in diesem Jahr im Gottesdienst den Begriff „Eintracht“ mit dem Römerberg zu verknüpfen. Stadtdekan Achim Knecht, der beim Europa League Finale mitgefiebert und die folgenden Festivitäten verfolgt hatte, spielte mehrfach darauf an, beispielsweise: „Eintracht – das verspricht auch das Motto unseres Gottesdienstes: Die Welt: bewegt, versöhnt, geeint“ Christinnen und Christen in aller Welt erinnerten und feierten an diesem Tag die Einheit der Kirche aus allen Nationen und Sprachen.


Zuversicht aus Jesus schöpfen

Im Fußball gehe es um Sieg und Niederlage – mit Blick auf den heutigen Feiertag fragte Knecht: „Was ist denn nun der Sieg, um den es an Pfingsten geht?“ Seine Antwort: Jesus Leben sah zu Ende wie eine Niederlage aus – aber es hat sich in einen Sieg verwandelt. Sein Leben und seine Auferstehung gaben den Menschen eine neue Sicht auf Gott.

Jesus habe vieles auf den Kopf gestellt, das „Oben“ und „Unten“, in der Gesellschaft, aber auch in der Religion, er zeigte sich offen für andere, problematisierte den grenzenlosen Reichtum einiger weniger, er hatte ein großes Herz für die Armen und ein starkes Gefühl des Mitleids und der Solidarität. „Das hat viele versöhnt“, sagte der evangelische Stadtdekan von Frankfurt und Offenbach Achim Knecht in seiner Predigt.

Das Motto des Pfingstmontags in Frankfurt nahm Bezug auf den Leitspruch der IX. Vollversammlung des Rats der Kirchen vom 31. August bis 8. September in Karlsruhe: „Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt“. In Frankfurt stand dahinter am Pfingstmontag noch der Zusatz „– ein Traum?“


Ein Beleg für das vielfältige Christentum am Main

Auch Knecht fragte das in seiner Predigt. Der Eroberungsfeldzug in der Ukraine, „der das Völkerrecht mit Füßen tritt – ein Angriff auch auf den Traum von einer besseren Welt“, so der Theologe. Dieser Pfingsttag solle dazu dienen, den Traum von einer besseren Welt nicht verlöschen zu lassen, sondern sich von der Liebe Gottes ergreifen zu lassen, im Sinne der Umsetzung von Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, im Geist der Überwindung von Gewalt und Unrecht. Knecht appellierte, sich von Gottes Geist der Liebe bewegen zu lassen, „denn es liegt viel Arbeit vor uns, diese Welt zum Guten zu gestalten“ (Link zur Predigt)

Einheit und Vielfalt, Stand für Stand, Tisch für Tisch dokumentierte dies das Fest im Dominikanerkloster. Joyce Owusu, Mitglied der Frankfurter Dependance der Presbyterian Church of Ghana, verkaufte Stoffe aus Ghana am Meter, geeignet für Kleidung, aber auch als Tischdecke eine farbliche Freude. Neben Schmorgerichten und Kaffee aus Eritrea, offerierte die Ungarisch-reformierte Gemeinde Mohnstriezel – eine gute Kombination zum Kaffee aus Afrika.

„Hier sieht man, wie vielfältig Christentum in Frankfurt ist“, darin liege auch die Zukunft, so die Frankfurter Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), Annegreth Schilling, Pfarrerin der Evangelischen Hoffnungsgemeinde. Von Wiedersehensfreude sprach Jens Balondo, Vorsitzender des Internationalen Konvents Rhein-Main. Er bestätigte die Auffassung von Ökumenepfarrer Mehl, dass die Pandemie nicht spurlos vorübergegangen ist. Er verwies auf den Stand der Indonesischen Kristusgemeinde Rhein-Main, zu der er gehört, „hier sind viele neu, viele Jüngere sind dazu gekommen“.