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Mehr Player, mehr Chancen


Gut gelaunt toben die Kinder im Außenbereich der Kita. Foto: Anne Zegelman

Im Merton-Viertel ist Frankfurts einzige ökumenische Kita zu finden. Leiterin Birte Hansen erzählt, was Ökumene für Kinder und Erzieherinnen bedeutet – und wie sich der Unterschied zwischen katholisch und evangelisch im Alltag bemerkbar macht.


Manchmal bekommt sie Briefe, auf denen steht „Ökologische Kita“. Einmal auch „Ökonomische Kita“. Richtig wäre „Ökumenische Kita“ - „aber so manchem sagt das Wort nichts“, vermutet Birte Hansen, Leiterin der Ökumenischen Kita Kaleidoskop im Mertonviertel zwischen Heddernheim und Niederursel. Ihr und ihrem Team sagt es dafür umso mehr: Seit 22 Jahren gibt es die Betreuungseinrichtung, damals gegründet von der evangelischen Sankt Thomasgemeinde (heute zugehörig zur Evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt-Nordwest) und der katholischen Gemeinde Peter und Paul (gehört mittlerweile zur Pfarrei St. Katharina von Siena).


63 Kita-Kinder und 44 Hort-Kinder gibt es im „Kaleidoskop“, einem großen, freundlichen Holzbau mit weitläufigem Außengelände. Nicht alle Kinder gehören einer christlichen Kirche an, doch das spielt für die Aufnahme keine Rolle. „Wir haben hier alles, was Frankfurt hergibt“, sagt Birte Hansen mit Blick auf die spielenden Kinder liebevoll. „Unser Anliegen war und ist es, die Betreuungssituation im Stadtteil zu verbessern, und nicht, eine christliche Sondersituation zu erschaffen.“ Natürlich wüssten die Eltern, dass in der Kita christliche Werte vermittelt würden. „Aber wir sind glaubhaft genug, damit die Eltern uns vertrauen, dass wir ihre Kinder hier nicht indoktrinieren“, so Hansen. Natürlich respektiert man auch die Sitten anderer Glaubensgemeinschaften, achtet beim Essen zum Beispiel darauf, dass die Essensregeln für die Kinder aller Religionen, die mit am Tisch sitzen, eingehalten werden.


Werte im Vordergrund


Einen großen Unterschied zwischen katholisch und evangelisch macht hier niemand – im Alltag sind es einfach christlich-humanistische Werte wie Solidarität und Toleranz, die hier vermittelt werden. Doch manchmal wird es auch etwas „kirchlicher“. Je einmal im Jahr wirkt die Kita an einem Familiengottesdienst in der evangelischen St. Thomaskirche und der katholischen Kirch St. Peter und Paul mit- genauso wie das auch die beiden anderen christlichen Kitas im Stadtteil, die evangelische Kita der St. Thomasgemeinde und die katholische Kita St. Peter und Paul, tun. Darüber hinaus gibt es feste Zeitpunkte im Jahr, an denen gemeinsam Andachten in der Kita gefeiert werden: Die Hortkinder begrüßen das neue Jahr mit einer Neujahrsandacht, zu Ostern gibt es eine ökumenische Osterandacht, die Verabschiedung der Schulkinder und Erntedank werden mit ökumenischen Andachten gefeiert. Dazu wird der Bewegungsraum in einen Andachtsraum mit buntem Kreuz umfunktioniert.


Birte Hansen ist Leiterin der Ökumenischen Kita, von Anfang an. Foto: Anne Zegelman

Außerdem gibt es gelegentlich religionspädagogische Impulse in den Gruppen, beispielsweise zum Thema Freundschaft. Dann lesen die Kinder gemeinsam eine christliche Geschichte oder legen ein Bild auf dem Boden und kommen darüber ins Gespräch. Außerdem haben die Mädchen und Jungen in der Vergangenheit auch schon die Kinderkirche der evangelischen Gemeinde besucht. Doch – und das bedauert Birte Hansen sehr – ist all das eine Frage zeitlicher Kapazität. Und die ist knapper geworden, seitdem die einzelnen Gemeinden aufgrund von Umstrukturierungen in größeren Strukturen aufgegangen sind. Dazu kommt, dass die katholische Gemeindereferentin Martina Kitz-Paech in Rente gegangen ist und die Stelle bislang nicht nachbesetzt wurde.


„Wir können uns glücklich schätzen“


Immerhin, die 17 Erzieher:innen-Stellen sind in der Kita Kaleidoskop alle besetzt. „Das liegt daran, dass wir auch selbst ausbilden“, erklärt die Leiterin, die aber auch weiß, dass sie sich glücklich schätzen kann, weil in vielen anderen Einrichtungen Fachpersonal fehlt. Religionspädagogische Schulungen im Rahmen der Fortbildung gehören für alle Erzieherinnen dazu, übrigens auch für die muslimischen Kolleginnen, die im „Kaleidoskop“ arbeiten.


Dass die evangelische und katholische Kirche im Mertonviertel vor 22 Jahren eine gemeinsame Kita gründete, ist einem damals bereits erfolgreich laufenden gemeinsamen Projekt zu verdanken, der „Kirche im Rondell“, die von März 1997 bis Ende 2006 als gemeinsam genutzter Gebets- und Begegnungsraum im Merton-Viertel existierte - benannt nach dem kleinen kreisrunden Gebäude, in dem sie untergebracht war. Die guten Erfahrungen gaben den beiden Partnern das Selbstbewusstsein, es mit einer ökumenischen Kita zu versuchen, die aber auch noch eine zweite wichtige Funktion für den Stadtteil erfüllen sollte. „Bereits im Einstellungsgespräch wurde ich gefragt, ob ich mir auch vorstellen könnte, die Kita für Begegnungen zur Verfügung zu stellen, also Frauentreffs, Andachten und Familiengottesdienste“, erzählt Hansen. Denn die Kita befindet sich im Neubaugebiet, das zum Mertonviertel zählt; die Kirchen sind einige Kilometer entfernt. Das konnte Birte Hansen sich sehr gut vorstellen, und die zusätzliche Nutzung startete erfolgreich. Die Frauen treffen sich bis heute, aktuell gibt es aber weniger Interesse an Familiengottesdiensten oder zum Beispiel Bildungsangeboten für Eltern; auch das hat das Team schon ausprobiert.

Birte Hansen ist Leiterin von Anfang an – und hat die Entstehung und Entwicklung der Kita begleitet und maßgeblich geprägt. Rechtlich angedockt ist sie an die evangelische Seite, Träger ist der Evangelische Regionalverband Frankfurt-Offenbach. „Das wurde damals einmütig von katholischer und evangelischer Seite so entschieden, da die Kita ja rechtlich einer Seite zugeschlagen werden musste“, erinnert sich Hansen. Zwar hätte es auch die Möglichkeit gegeben, einen freien Träger-Verein zu gründen, doch das sei keine realistische Option gewesen, dafür fehlte die rechtliche Infrastruktur. Stattdessen entschied man sich für ein mehr oder weniger einmaliges Konstrukt: Einen paritätisch besetzten Kita-Vorstand mit insgesamt sechs Mitgliedern, drei katholisch, drei evangelisch. Ihnen berichtet die Leitung, sie treffen hauptsächlich die Entscheidungen – auch wenn diese offiziell noch vom Kirchenvorstand der evangelischen Nordwest-Gemeinde bestätigt werden müssen. Finanziert wird die Kita aus städtischen und Landes-Mitteln, das Gebäude An den Mühlwegen gehört der Stadt Frankfurt. Viele Player also, mit denen Birte Hansen und ihr Team zu tun haben. „Für mich bedeutet das aber auch: Viele Chancen!“, so die Leiterin.

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